Tango Kodex

Auf den Tanzveranstaltungen wird ein eigener Verhaltenskodex gepflegt, der in Kombination mit dem Konzept des Führens/Folgens den Genuss eines harmonischen Tanzes ermöglicht, auch wenn sich Mann und Frau erst vor wenigen Minuten zum ersten Mal begegnet sind. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, wenn auch alle Paare wie ein Vogelschwarm sich gleichzeitig entgegengesetzt des Uhrzeigersinns der Musik des Tangos hingeben.

Der Respekt vor anderen wird bei uns sehr groß geschrieben, denn nur dann können wir auch in Harmonie tanzen und uns selber entfalten.

 

Vor jeder Milonga „La Debutante“ gibt es eine kleine Einführung bzw. einen Workshop zum Thema „Verhaltenskodex“ und Navigation auf der Piste. 



Über den Tango


Argentinischer Tango wird insbesondere in zwei Varianten dargeboten: Zum einen von Milongueros in Tanzlokalen, sog. Milongas, wobei der Mann für sich und seine Partnerin die Schritte und das Tempo spontan der Musik und dem Tanzfluss anpasst ("Tango de salon" - Salontango), zum anderen von Berufstänzern auf der Bühne mit einstudierten Choreografien ("Tango de espectaculo" - Bühnentango). 

 

Grundsätzlich werden die folgenden Formen unterschieden, die auch eigene Namen haben und verschieden getanzt werden:

der Tango, der Tango Vals (¾ Takt) und die Milonga.

 

Heute hat sich in Deutschland eine gut organisierte "Tango Argentino - Szene" etabliert, mit Milongas, Tangokonzerten, -festivals, -shows, und -musicals.

 

Die außergewöhnliche Mischung aus Nostalgie, Exotik und Erotik entführt die Besucher in eine eigene Welt, die sich vielfältig und faszinierend hinter dem einfachen Klischee verbirgt und immer neue und überraschendere Entdeckungen zulässt, je tiefer man in sie vordringt.

 



Die Wurzeln

Der Argentinische Tango entstand um 1880 am Rio de la Plata, an dessen Mündungsdelta Buenos Aires liegt. Wie in einem Schmelztiegel lebten dort Einwanderer aus Europa, Afrika, Mittel- und Südamerika auf engstem Raum zusammen; ihre melancholische Stimmung von Einsamkeit, Freiheit, Heimweh und Liebessehnsucht fand im Tango ein emotionales Ventil. Elemente verschiedener Folklore wurden ausgetauscht, kombiniert und neu zusammengesetzt – das ist der Grund, warum der Tango Menschen aus der ganzen Welt anspricht; jeder findet darin ihm bekannte Rhythmen und Elemente. Ein Beispiel für diese internationale Ausrichtung ist das Hauptinstrument des Tango Argentino – das Bandoneon – welches aus Deutschland stammt.

 

Um 1920 verlagerte sich der Tango auf Milongas (Tangotanzlokale) und Theaterbühnen. International wurde der Tango in jener Zeit im Rahmen des Welttanzprogramms zum Gesellschafts- und Turniertanz "standardisiert". Seitdem wird zwischen der ursprünglichen Form, dem (traditionellen) Argentinischen Tango, und der systematisierten Form, dem (Englischen) Tango, unterschieden.



Tango Argentino heute

Nach dem 'Goldenen Zeitalter' (1935 – 1955) war der Tango weniger populär, Rock'n Roll und später Pop- und Rockmusik zogen v.a. die Teenager in ihren Bann. Die Weiterentwicklung des Tango durch Astor Piazzolla, der Klassik und Jazz mit dem klassischen Tango verheiratete, weckte wieder das Interesse von Musik-liebhabern. Diese komplexe, konzertante Musik leitete die Wiederentdeckung des Tango ein, der ab 1984 sein Schattendasein in Buenos Aires verlies, als populäre Rockmusiker mit Legenden des Tango zusammen auftraten. 

 

Mit Beginn der 90er Jahren wird der Tango wieder von vielen jungen Musikern thematisiert und mit modernen Instrumenten neu entdeckt. Dieser Elektro-Tango mit dominanten Beats spricht auch wieder die jungen Leute auf einer breiten Basis an, die somit den Zugang und oft darüber hinaus das weitergehende Interesse an den Wurzeln finden.

 

Die neue Szene ist jung, dynamisch und stets im Wandel – die Musik wird neu entdeckt, gemischt und mit anderen Rhythmen kombiniert. Die Generation der 20-jährigen erkennt den Genuss des Tanzes in enger Umarmung neu.

 

Ob in Nürnberg oder Berlin, London, Paris oder Moskau, ob in Rom, Tokio oder in der Heimatstadt Buenos Aires – der Tango Argentino ist populär wie nie zuvor. Überall sprießen Tango-Schulen, -Festivals und -Tanzveranstaltungen, als Tango-Reisender ist man auf der ganzen Welt willkommen und findet überall Orte, an denen man sich auf  Anhieb wie zu Hause fühlt. 



UNESCO Kulturerbe

 

Seit September 2009 gehört der Tango Argentino zu den Meisterwerken des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit der UNESCO, mit anderen Worten, er zählt zum Kulturerbe der Menschheit.